The Walkabouts
Brotfabrik Frankfurt, 26. Januar
Wie lange habe ich auf diesen Abend schon gewartet? Eigentlich seit Ende 1995, als ich zum ersten Mal in die Magie einer Band eintauchen durfte, die in all ihren düster anmutenden, vom Regen verwischten Moll- und Mörderballaden stets auch so viel Tröstliches parat hatte. Damals reizten mich das Cover und der Titel der gerade erschienenen LP „Devil’s road“ der Walkabouts, über die ich zuvor noch nichts gehört hatte. Aber statt der erwarteten rauhen Blues-Töne setzte im ersten Track ein leises Becken ein, dann dieses sparsam-markante Bass-Riff und dann die unvergleichliche Stimme von Carla Torgerson: „I go to sleep before the devil wakes, and I wake up until the angels take…“ . Später kommen die Streicher dazu und Torgerson singt jene in die Unendlichkeit reichenden Zeilen: „Long after we’re gone, the lights will stay on“… Doch just als ich damit begann, immer tiefer in die Walkabouts-Historie einzutauchen, machte die Band sich rar, nahm immer seltener neue Alben auf, tourte kaum noch.
Vor knapp fünf Jahren dann wenigstens eine Tour von Chris & Carla; Kerzenlichatmosphäre, damals ebenfalls in der Brotfabrik, der Kern der Walkabouts, ganz intim und wunderschön. Aber eben nur ein Teil des Zaubers. Und nun… die ganze Band…
Gut, wenn man manche Wetten nur im eigenen Kopf eingeht. „The diviner“ vom neuen Album „Travels in the dustland“ würde das erste Lied des Abends sein, keine Frage. Ein ruhig-melancholisches Stück um die ausverkaufte Brotfabrik langsam in die spezielle Walkabouts-Atmosphäre einzuführen. Weit gefehlt. „Every river will burn“ eröffnet den Abend und gibt den Ton vor: Wie ein gewaltiger Lavastrom quillen die Gitarren von Chris Eckman und Paul Slater aus den Boxen, reißen die Keyboardklänge von Glenn Slater mit, während von hinten Terri Moeller mit gewaltigen Drums den Song immer wieder vorantreibt. Obendrauf funkelt, wie glitzernde Juwelen auf kaltem Stein, Carla Togersons Stimme. „Every river will burn, every valley will dry. Save it for the afterlife, and every mountain will slide.” Nicht immer kann die Halle die mächtigen Klänge auffangen, der Sound bleibt ein paar Stücke lang breiig, aber das nimmt nichts von der Wucht der Walkabouts an diesem Abend. „Lazarus heart“ und „Acetylene“ fräsen sich mit schneidenden Gitarren in die Ohren, werden abgelöst von Momenten der andächtigen Ruhe („They are not like us“) um dann wieder auf jene abgründige Strasse zurückzuführen, auf der die einsamen Gestalten der Walkabouts-Lieder ihren Weg suchen. „Jack Candy“ natürlich, aber auch „The stopping-off place“ und dann schon in der Zugabe „Grand theft auto“, in das die gespenstischen Zeilen aus Springsteens „State trooper“ eingebettet werden. Nach eindreiviertel Stunden schließlich ein ruhiges Ende mit dem Chris & Carla-Stück „Death at low water“… und dem Gefühl, das ein großes Versprechen von einem Dutzend Studio- und Livealben endlich und überwältigend eingelöst wurde… (Holger)