Nils Frevert im Gespräch
Roadtracks: In Deinem neuen Video stehst Du zwischen lauter ausgestopften Tieren im Museum – ist das Deine Selbstsicht 2011?
Niels Frevert: Es sollte was mit dem Titel „Eine Leiche zu verscharren“ zu tun haben. Und da kamen wir eben auf die ausgestopften Tiere. Und das zoologische Museum in Hamburg gefällt mir gut, da war ich privat auch schon öfter mal.
Roadtracks: Aber Du siehst Dich nicht als Dinosaurier unter den deutschen Songschreibern?
Niels Frevert: (lacht) Nein, nein, weit gefehlt… Ich bin zwar schon länger dabei, aber „Dinosaurier“ ist doch unpassend.
Roadtracks: Wenn man sich Deine Entwicklung anschaut, von Nationalgalerie bis heute, gerade im Bezug auf die Instrumentierung, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass Rockmusik für Dich ganz weit weg ist…
Niels Frevert: Wenn wir im Studio sind – ja. Da gehen wir allen Rockelementen aus dem Weg. Das ist eine bewusste Entscheidung. Indierock gibt´s ja jede Menge zur Zeit – und ist für mich somit schon einmal nicht so interessant. Und die Frage stellte sich mir auch: Welche Art von Musik möchte ich in zehn Jahren, wenn ich über 50 bin, auch noch auf der Bühne spielen - und das in Würde?
Roadtracks: Wo geht die Entwicklung hin für Dich? Ist das so wie das jetzt ist, mit Streichern und Vibraphon, etwas womit Du zufrieden bist?
Niels Frevert: Ja. Aber das ist sicher nicht die Endstation. Aber eine neue Facette und Herangehensweise, die den Liedern gut tut. Es hilft dabei Geschichten zu erzählen, ich denke die Texte bekommen so mehr Luft zum Atmen.
Roadtracks: War auf Englisch schreiben für dich je eine Alternative?
Niels Frevert: Nie. Ich hab mal mit Nationalgalerie zwei, drei Songs übersetzt für das amerikanische Radio, aber das klang sterbenslangweilig. Ich hab mich gar nicht mehr erkannt, es kam mir beliebig vor.
Roadtracks: Kommst Du über die Texte zur Musik oder umgekehrt?
Niels Frevert: Am besten gleichzeitig. Eins, zwei Sätze, dazu Melodie und Rhythmik. Aber meistens kommt erst die Musik und dann kommt der Text drauf.
Roadtracks: Wie bist Du auf das Herman Van Veen-Cover gekommen?
Niels Frevert: Das war für mich eine Art Mutprobe. Ich war neugierig, wie ein Hermann van Veen Lied klingen würde ohne das rollende R. Und dann fand ich den Text von „Bis jemand mich hört“ einfach spannend.
Roadtracks: Die Nummer fällt auch beim Durchhören der Platte nicht raus.
Niels Frevert: Das liegt an unserer musikalischen Bearbeitung.
Roadtracks: Welche Rolle spielt für Dich Hamburg als Stadt, als Ort zum Arbeiten?
Niels Frevert: Rein musikalisch nicht so eine große Rolle. Klar, der textliche Anspruch war in Hamburg schon immer recht hoch, das inspiriert. Allerdings habe ich mich eigentlich nie so wirklich einer bestimmten Musikszene zugehörig gefühlt. Auch wenn es natürlich ein paar Kollegen gibt, wie z.B. Bernd Begemann oder Nils Koppruch, mit denen man wirklich gut ein Bier trinken kann.